| Autorin: | Sarah Janine Flocke <sjflocke@europa-digital.de> | |
| veröffentlicht am: | siehe Seitenende | |
| letzte Aktualisierung: | Tuesday, 23. July 2002, 13:19 |
Vor ein paar Jahren revolutionierte der Einzug des Internets den Alltag in den Industriestaaten. Jetzt steht dem Internet selbst eine kleine Revolution bevor, denn EU-Kommissar Erkki Liikanen will das Protokoll, auf dem das Internet basiert (IPV4) durch ein neues (IPV6) ersetzen.
Der wachsenden Verbreitung des Internets droht spätestens 2005 ein jähes Ende, da dann die letzten IP-Adressen vergeben werden. Das Internet Protokoll in Version 4 lässt nur rund 4 Milliarden Adressen zu. Eine unvorstellbar große Menge, die aber längst nicht ausreicht, um aus dem Internet ein weltweites Netz zu machen.
Berkeley hat soviel Adressen wie China
Alleine die USA besitzen rund 3 Viertel des Adressraumes. Gerrit Kalkbrenner vom IPV6 Labor an der Universität Potsdam erklärt: "Die Universität von Berkeley nimmt genau so viele Adressen für sich in Anspruch wie ganz China. Die Entwicklungs- und Schwellenländer gehen nahezu leer aus."
Aber auch für Europa ist es äußerst wichtig, dass das neue Protokoll eingeführt wird. Bis jetzt hilft man sich mit so genannten Natservern aus, die Adressen wieder verwendbar machen. "Aber spätestens mit dem Durchbruch der mobilen Netze, wie beispielsweise UMTS, muss das Internet auf das neue Protokoll umgestellt werden", sagt Kalkbrenner.
Mehr Adressen durch Internet next generation
Denn das "Internet next generation", wie es auch gerne genannt wird, lässt exakt 2 hoch 128 Adressen zu. Diese Adressen sind dann allerdings auch exakt 128 Stellen lang "Um auf dem Sektor der Telekommunikationsbranche wettbewerbsfähig bleiben zu können, ist die Einführung von IPV6 unumgänglich", sagt Eva Heller von Nokia. Ihr Unternehmen beteiligt sich seit einigen Jahren an der Entwicklung des neuen Protokolls und den passenden Endgeräten. In den kommenden Monaten wird Nokia die ersten IPv6-fähigen Geräte auf den Markt bringen.
Kühlschränke ans Netz!
"IPv6 ist die Schlüsselkompetenz für das mobile Internet", erklärt Eva Heller das Engagement ihres Unternehmens, "in Zukunft wird sogar jeder Kühlschrank eine eigene IP-Adresse haben." Ob der Bedarf des Otto-Normal-Surfers wirklich so groß ist, muss sich noch herausstellen. Zunächst kommen auf den Verbraucher Kosten für neue Software zu. Nur die neuesten Programme sind gerüstet für das neue Internet. "Ansonsten wird die Umstellung für die Verbraucher aber beinahe unbemerkt verlaufen", glaubt Gerrit Kalkbrenner, "die Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, sehen das neue Protokoll allerdings herbei."
Der Datenschutz soll durch das neue Protokoll besser gewährleistet werden. Somit wird für die "Global Players" aber auch für mittelständische Unternehmen die Kommunikation mit Mitarbeitern überall auf der Welt einfacher. "Im internationalen Wettbewerb sind diese Möglichkeiten überlebenswichtig", glaubt auch Eva Heller. Dabei hat die Adressenknappheit an anderen Orten der Welt fatalere Folgen, als in Europa. Gerrit Kalkbrenner berichtet: "In Japan gibt es mittlerweile eine Internetpolizei, die bei Providern streng kontrolliert, ob auch wirklich alle Adressen genutzt werden. Bei Entdeckung drohen hohe Geldstrafen."
Erstveröffentlichung am 23.7.2002